Shamonda Virus breitet sich aus
Zwei Varianten des Virus wurden in nordwest- und ostdeutschen Bundesländern identifiziert.
Was ist das Shamonda-Virus?
Das Shamonda-Virus (SHAV) ist ein Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe. Zu dieser Virusgruppe gehören auch das Schmallenberg-Virus (SBV), das Shuni-Virus und das Akabane-Virus (AKAV). Das Virus besitzt ein dreigeteiltes RNA-Genom (S-, M- und L-Segment). Das im Sommer 2026 in Mitteleuropa nachgewiesene „Shamonda-like“-Virus weist die höchste genetische Verwandtschaft zum Shamonda-Virus auf.
Wo ist es verbreitet?
Aktuelle Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts belegen die gleichzeitige Zirkulation von mindestens zwei genetisch unterschiedlichen Shamonda-Virus-verwandten Varianten in Deutschland. Neben der ursprünglich in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz nachgewiesenen Variante (SHAV-EU1) wurde eine weitere Variante (SHAV-EU2) in mehreren nordwest- und ostdeutschen Bundesländern identifiziert.
Die bisherigen Sequenzanalysen deuten auf zwei unabhängige Eintrags- und Ausbreitungsereignisse hin. Weitere Untersuchungen sollen klären, inwieweit zwischen beiden Varianten Kreuzschutz besteht und welche Bedeutung diese genetischen Unterschiede für Epidemiologie, Diagnostik und mögliche zukünftige Bekämpfungsstrategien haben. Aufgrund der gleichzeitigen Zirkulation mehrerer Vertreter der Simbu-Serogruppe in Deutschland wird zudem die Möglichkeit genetischer Reassortierungen derzeit intensiv untersucht.
Wie wird es übertragen und wo kommt es ursprünglich her?
Die Übertragung erfolgt sehr wahrscheinlich überwiegend durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides. Eine direkte Tier-zu-Tier-Übertragung ist mit Ausnahme der vertikalen Übertragung während der Trächtigkeit bislang nicht bekannt. Das Virus wurde erstmals in den 1960er Jahren in Nigeria nachgewiesen und kam bisher vor allem in Afrika und vereinzelt in Japan vor. Im Sommer 2026 wurde es erstmals in Deutschland, Frankreich und der Schweiz nachgewiesen. Aufgrund der hohen Aktivität der Gnitzen zwischen Juli und Oktober ist mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen.
Welche Symptome tauchen durch das Virus auf?
Bei erwachsenen Rindern verläuft die Infektion meist mild bis moderat. Beschrieben wurden Fieber, Durchfall sowie ein teilweise deutlicher Rückgang der Milchleistung. Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche transplazentare Übertragung auf den Fetus.
Analog zu anderen Viren der Simbu-Serogruppe wird angenommen, dass auch Infektionen mit dem Shamonda-Virus zu Aborten, Totgeburten und schwere angeborene Missbildungen führen können. Hierzu zählen insbesondere Veränderungen des Zentralnervensystems sowie des Bewegungsapparates, die als Arthrogryposis-Hydranenzephalie-Syndrom- AHS zusammengefasst werden. Das tatsächliche Ausmaß fetaler Schädigungen durch die aktuell in Europa zirkulierende SHAV-Variante ist jedoch noch nicht abschließend geklärt und ist Gegenstand laufender Untersuchungen.
Auch das Wirtsspektrum der neuen Variante ist derzeit noch nicht abschließend bekannt. Während SHAV-EU2 bisher ausschließlich bei Rindern nachgewiesen wurde, wurden Infektionen mit SHAV-EU1 bereits bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen festgestellt.
Was bietet das Institut f. Tiergesundheit der LUFA Nord-West an?
Unser Labor bietet den molekularbiologischen Erregernachweis mittels Real-Time RT-PCR oder Pan-Simbuvirus-PCRs auf Viren der Simbu-Gruppe bzw. Shamonda-Virus an. Für die Untersuchung akuter Infektionen eignen sich Serum- oder EDTA-Blutproben von Tieren mit klinischen Symptomen. Bei Abortfällen, Totgeburten oder missgebildeten Kälbern und Lämmern sollten insbesondere Gehirngewebe, Milz und Blut untersucht werden.
Serologische Untersuchungen werden aktuell nicht durchgeführt. Da innerhalb der Simbu-Serogruppe erhebliche Kreuzreaktionen auftreten können, stehen derzeit noch keine für die Routinediagnostik ausreichend validierten serologischen Verfahren zur Verfügung.
Was wir empfehlen:
Beim Auftreten von Fieber, Durchfall und Milchleistungsrückgang in Wiederkäuerbeständen während der Gnitzensaison sowie bei Aborten oder missgebildeten Neugeborenen sollte eine labordiagnostische Abklärung erfolgen.
Ansprechpartner
Dr. Lüken, Caroline
Stellvertretende Institutsleiterin,Leiterin Molekularbiologie,
Fachtierärztin für Virologie
Ammerländer Heerstr. 121
26129 Oldenburg
Tel.: +49 441 97352-223
E-Mail: caroline.lueken~lufa-nord-west.de
Dr. Smart, Isabel
Leiterin BakteriologieAmmerländer Heerstr. 121
26129 Oldenburg
Tel.: +49 441 97352-220
E-Mail: isabel.smart~lufa-nord-west.de
Dr. Elnagar, Ahmed
Laborleiter SerologieAmmerländer Heerstr. 121
26129 Oldenburg
Tel.: +49 441 97352-276
E-Mail: ahmed.elnagar~lufa-nord-west.de
